12.07.1999 – Südschweden

Geschafft! Der erste Tag und ca. 570 Kilometer liegen hinter uns. Los ging’s um halb eins (in der Nacht) in Niederschöneweide. Berlins Straßen bei Nacht sind lustig, die Parkplätze sind zum berzen – ää – bersten voll und die Straßen total leer. Von Altlandsberg ging es dann, zusammen mit Janek, weiter auf der Autobahn bis Prenzlau. Zwei direkt an der Fahrbahn grasende Rehe jagten uns einen ordentlichen Schrecken ein. Danach die erste Kaffee – und Tankpause in Woldegk, so gegen halb drei. Weiter bis Neubrandenburg und hier auf die F96. Kurz vor Greifswald dann endlich der Sonnenaufgang.Hinter Stralsund über den Rügendamm und 2. Kaffee / Tankpause in Samtens. Nur noch 50 Kilometer bis Saßnitz. Das letzte Teilstück absolvieren wir eher schlafend als fahrend, bis gegen halb sieben endlich der Fährhafen Saßnitz vor uns lag. Noch eineinhalb Stunden bis unsere Fähre losschwimmen soll.

Gegen sieben Uhr trifft sie aus Trelleborg kommend ein. Schnell kaufen wir zwei Tickets und binden die Motorräder unter Deck an (damit sie unterwegs nicht abhauen). Die erste Couch an Bord belegen wir sofort mit Beschlag. Wenigstens die vier Sunden dauernde Überfahrt an Bord der HANSA-Kogge pennen. Wenig erholt treffen wir gegen zwölf Uhr in Trelleborg ein. Nach einer kurzen Mittagspause und meinem ersten diesjährigen Ostseebad machen wir uns auf die Suche nach einer Wechselstube. Es dauert auch „nur“ einer halbe Stunde bis wir, nachdem wir Trelleborg einmal von Süd nach Nord und von Ost nach West durchfahren haben, eine finden.

Mit reichlich SK’s in der Tasche fahren wir nach Norden, da unser erstes Tagesziel -der Bolmen noch ein gutes Stückchen entfernt ist. An einem See,der durch eine Straße geteilt wurde, machen wir eine kurze Pause. Bei herrlichem Sonnenschein durchfahren wir die Provinzen Skane und Smaland, durch die schönsten Seenlandschaften, bis wir gegen sieben Uhr den Zeltplatz Bolmen erreichen.

Aber in Schweden auf einen Zeltplatz campen? Wo man doch hier noch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sein Zelt aufschlagen kann wo man will. Also entschließen wir uns weiterzufahren und uns einen „eigenen“ Zeltplatz zu suchen. Um halb acht, nach mehreren gescheiterten Versuchen den See zu erreichen, schlagen wir unser Lager auf einer kleinen Waldlichtung auf. Schnell sind das Zelt aufgebaut und Spaghetti mit Tomatensoße aus der Dose überm Lagerfeuer zubereitet und vertilgt. Zu guter Letzt kochen wir uns noch einen Tee, kippen einen Schluck Rum hinein und unterhalten uns noch etwas über die Eindrücke dieses ersten, doch sehr anstrengenden Tages unserer Reise.

13.07.1999 – Südschweden

Nur ein kurzes Frühstück, Cappuccino und ’ne „Stulle“, nehmen wir am Morgen des zweiten Tages zu uns. Unser heutiges Tagesziel ist Kalmar, da wir morgen eine Rundtour auf der Insel Öland unternehmen wollen. Gegen Mittag ist ein Stop in Huskvarna geplant, wo wir das Werksmuseum der Firma Husquarna besichtigen wollen. Also rauf auf die E4 und Richtung Nord eingeschlagen. Die erste Pause legen wir bei einer McDonald’s Raststätte ein, da unsere Trinkwasservorräte verbraucht sind.

Danach geht’s weiter, immer geradeaus, bis endlich die Südspitze des Vättern (Sees) und damit auch Huskvarna erreicht ist. Nun gilt es nur noch das Werk beziehungsweise das gesuchte Museum zu finden. Nach mehreren Kreuz- und Querfahrten finden wir eher zufällig einen Hinweis darauf. Eine kleine, alte, am Berghang gelegene Industriestätte erwartet uns mit dem wohl ältesten Zweizylinder der Welt. Das Museum zeigt einen kompletten Überblick über die lange Geschichte des Unternehmens und über dessen Produkte, wie z.B. Näh- und Waschmaschinen, Jagdwaffen, Kettensägen, Motorschlitten, „prima Außenbordern“ und Arbeitsschutzkleidung. Uns interessierten natürlich hauptsächlich die Motorräder, welche sich in einem separaten Raum befinden. Vom Motorfahrrad, über Roller, Lastenmotor(drei)rad bis hin zur modernen Enduro ist alles vertreten.

Nach dem Museumsbesuch fahren wir zurück zum See, wo wir unser Mittagsmahl, bestehend aus Lauchcremesuppe, Brot und Tee, zu uns nehmen. Der Versuch des Verdauungsbades – und viel wichtiger des Abwaschens – scheitert leider kläglich, da sich uns auf dem Weg zum See ein unüberwindlicher, fünfzig Meter tiefer Steilhang in den Weg stellt. Von hier aus führt unser Weg nun nach Osten. Wir entschließen uns, uns von den Hauptverkehrsstraßen zu entfernen und kleine „Dorfstraßen“ zu benutzen. Auf diesen zu fahren macht noch richtig Spaß, da sie wie „auf den Boden heraufgelegt“ und sich um Hügel herumwindend zwei Orte miteinander verbinden, nicht wie die großen Straßen, die kaum Steigungen aufweisen und immer geradeaus laufen, wo die Umwelt um die Straße herumgebaut wird. Da kommt es auch schon mal vor, daß man plötzlich bremsen muß, weil hinter einer Kurve eine Herde Rinder über die Straße getrieben wird. Nach längerem Suchen finden wir auch für diese Nacht einen geeigneten Lagerplatz – direkt an einem See gelegen.

Zum Abendbrot bereiten wir uns ein Gemisch aus Bohnen, Tomaten, Zwiebeln und Würstchen. Einheimische weisen uns auf den vorsichtigen Gebrauch des Feuers hin. Als sie sehen, daß ein Eimer mit Löschwasser vorhanden ist, wünschen sie uns guten Hunger. Unserer Einladung zum Essen kommen sie aber nicht nach. Bei einem Bad im See taufen wir diesen kurzerhand „Simpsonssee“, da unsere Körper durch das Wasser in gelblich – orangem Farbton schimmern, eben wie bei den Simpsons. Ich sehe aus wie Bart und Janek (fast) wie Homer. Nach dem obligatorischen Abendgrog schicken wir uns an in unsere Schlafsäcke zu kriechen.

14.07.1999 – Südschweden

Während das Kaffeewasser köchelt, brechen wir unser Nachtlager ab. Gegen neun Uhr ist alles verstaut und wir können abfahren. Nach einer kurzen Tankpause in Kalmar überqueren die Kalmarsund-brücke. Achteinhalb Kilometer lang verbindet sie Öland mit dem Festland und ist damit, nach der Aresundbrücke, die zweitlängste europäische Brücke. Auf der Insel fahren wir zunächst nach Süden an der Westküste entlang. Karge, flache, bemooste Felsland-schaften prägen das Bild. Viele Schafe und Rinder, viel mehr als auf dem Festland, sehen wir unterwegs und natürlich die auf Öland allgegenwärtigen Windmühlen. An der (laut Karte) sehenswerten Südspitze der Insel müssen wir feststellen, daß dort Eintritts- und Parkgebühren verlangt werden. Kurzerhand erklären wir den südlichen Zipfel Ölands für „nicht sehenswert“ und kehrten um.

Einige Kilometer nördlich legen wir unsere Mittagspause ein. Tütensuppen, Brot und Tee – wie üblich. Nun geht’s weiter nach Norden an der Ostküste entlang. Einem Feldweg zur Küste folgend wollen wir ein Bad in der Ostsee nehmen. Plötzlich steht eine Kuhherde, von einen riesenhaften Bullen angeführt, mitten auf dem Weg. Nachdem wir, in gehörigem Abstand, den Bullen passiert haben, gehen die übrigen Kühe aus dem Weg. Leider endet der Weg ca. einhundert Meter vom Wasser entfernt in einem undurchdringlichem Dickicht. So’n Mist! Nun müssen wir nochmal an dem Bullen und seiner Herde vorbei. Das nächste mal sind wir schlauer. Ein Wegweiser an der Straße deutet auf eine „richtige“ Badestelle hin. Also – nix wie hin!

Auf dem Parkplatz stehen zwei Yamaha – SR500 mit Berliner Kennzeichen. Nach erster in Augenscheinnahme des Strandes sieht es so aus als ob man tatsächlich baden könne, also Klamotten aus und rein ins Wasser. Als wir nach ca. einhundert Metern knöcheltiefem Wasser außer spitzer Steine auch noch auf einen Wald aus Wasserpflanzen stoßen, drehen wir resigniert um. Immerhin ein Fußbad gemacht. Als wir wieder losfahren sind die beiden Berliner auch gerade im Aufbruch begriffen, aber außer einem kurzen „Hallo“ ergibt sich kein weiteres Gespräch.

Weiter nördlich besichtigen wir noch einen Leuchtturm und eine Kirche, oder vielmehr das was davon noch übrig ist. Denn nach einer Wikingerbrandschatzung stehen nur noch zweieinhalb Außenwände. Auf dem Rückweg überqueren wir erneut die Kalmarsundbrücke, da wir beschlossen hatten, aufgrund des starken Windes auf der Insel, uns einen Lagerplatz auf einer Waldlichtung auf dem Festland zu suchen. Nach einem weiteren Tankstop beginnt die Suche. Eine geeignete Stelle ist recht schnell gefunden, jedoch als wir von den Motorrädern steigen, fängt es an zu regnen. Das Zelt bekommen wir glücklicher Weise noch recht trocken aufgebaut. Nach einem zum Glück nur kurzen Schauer, der einen herrlichen Regenbogen hinterläßt, gibt es zum Abendbrot Ravioli und den obligatorischen Grog. Danach kriechen wir gesättigt und zufrieden in unsere Schlafsäcke.

15.07.1999 – Südschweden

Der letzte Tag beginnt – vorerst ohne Frühstück, da wir kein Wasser mehr haben. Also Zelt abgebaut, Klamotten verstaut und ´rauf auf die Mofa’s. Der erste Parkplatz mit WC an der E6 wird unser Frühstücksplatz. Wasser holen, Kaffee kochen – und trinken und über eine Schweden- Rentner-Kaffeefahrt-Pinkelpause schmunzeln. Weiter geht’s – starker Gegenwind und die langweilige E6 gehen uns ganz schön auf die Nerven. Da kommt uns als Abwechslung ein Stadt- beziehungsweise Hafenbummel mit einem beinahe Besuch des Marinemuseums (draußen steht halt auch genug herum) in Karlskrona natürlich gelegen, zumal wir für die letzten dreihundert Kilometer bis Trelleborg noch weit über zwölf Stunden Zeit haben.

Als wir weiter fahren wollen hat sich an der Windstärke leider nichts geändert und die E6 ist auch nicht abwechslungsreicher geworden. Also ist weiter Langeweile angesagt. Kurz nach der Mittagspause – wie üblich eine Tütensuppe und ein Tee – verlassen wir die E6 und fahren südlich weiter an der Küste entlang. In (hus zeigt die Uhr meiner XT 22222 km an. Da unser Tagesziel immer näher kommt und wir aber immernoch reichlich Zeit haben bis unsere Fähre abfährt, beschließen wir am Strand anzuhalten und ein ausgiebiges Ostseebad zu nehmen. Da das Ostseewasser jedoch „unangenehm frisch“ war, viel unser „ausgiebiges“ Bad eher kurz aus.

Nach einer schönen Nachmittagstour – immer an der Küste entlang – erreichen wir gegen achtzehn Uhr „mit Mühe und Not“ Trelleborg, wo wir vor einem einsetzendem Wolkenbruch unter dem Dach einer Tankstelle Zuflucht finden. Nach dem Regen bereiten wir uns auf dem „deutschen Karavanparkplatz“ unsere letzte Mahlzeit aus allen verbliebenen Resten – Bohnen, Zwiebeln, Würstchen und Käse (hört sich schlimmer an als es schmeckt).

Wir richten uns auf eine lange Nacht ein, da unsere Fähre erst um drei Uhr fünfzehn losschwimmen wird. Als wir nach etlichen Tee’s und Klobesuchen endlich das Schiff „entern“, fallen wir erschöpft auf die bereits erwähnten Sofa’s und schlafen durch, bis wir Saßnitz erreichen. Unterwegs nach Stralsund trinken wir noch einen Kaffee, in Stralsund wird aufgetankt und gegen neun Uhr erreichen wir Prerow, wo wir – mehr oder weniger – mit einem Kollegen verabredet sind. Da wir ihn nach zweistündiger Suche auf dem riesigen Rainbow Camp nicht gefunden haben, wollen wir uns auf den Rückweg nach Berlin machen.

Als wir fast bei unseren Motorrädern sind, läuft er uns zufällig doch noch über den Weg und wir verbringen einen angenehmen Nachmittag – mit baden und Faxe (und baggern)- am Strand. Um siebzehn Uhr brechen wir endgültig auf. Als ich um ein-undzwanzig Uhr in Berlin ankomme, bin ich gerade noch in der Lage mein Motorrad vom Gepäck zu befreien. Selbst das heiße Bad in der Badewanne, worauf ich mich seit Tagen freue, muß auf den nächsten Tag verschoben werden.

Janek, Tommi